B  Gemeindeleitung

 

4  Aufgaben des Presbyteriums

 

4.3  Schutz vor und Umgang mit Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung

 

„Presbyterinnen und Presbyter sind berufen, die Kirchengemeinde in gemeinsamer Verantwortung mit den Pfarrerinnen und Pfarrern zu leiten. Sie sollen den Pfarrerinnen und Pfarrern in der Führung ihres Amtes beistehen“ (vgl. Artikel 35 S. 1 und 2 KO).

Zu dieser Leitungsaufgabe der Presbyterinnen und Presbyter gehören auch der Schutz vor und der angemessene Umgang mit Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung.

Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung sind auch in der Kirche Realität. Sexuelle Grenzverletzungen, sexuelle Übergriffe und auch sexueller Missbrauch machen nicht halt vor den Türen der Kirchen, Gemeindehäuser, Kindergärten, Heime oder anderer kirchlicher Einrichtungen.

Unsere Gemeinden sollen sichere Orte sein, an denen Menschen aufeinander achten und die Grenzen der anderen achten – denn jede und jeder ist ein Ebenbild Gottes. Unsere Gemeinden sollen Orte sein, an denen nicht totgeschwiegen wird, wenn ein Verdacht geäußert wird, sondern gehandelt werden kann.

Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung im kirchlichen Raum können in drei unterschiedlichen Settings stattfinden:

  1. Sexuelle Übergriffe können zum Problem werden innerhalb einer Gruppe von Nutzerinnen und Nutzern einer Institution, zum Beispiel zwischen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einer Kinder- oder Jugendgruppe.
  2. Zum Zweiten werden Nutzerinnen und Nutzer zum Ziel sexueller Übergriffe durch haupt-, neben- oder ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kirchlicher Einrichtungen und Dienste, zum Beispiel durch Erzieherinnen und Erzieher in einer Kindertageseinrichtung, durch Jugendmitarbeiterinnen und Jugendmitarbeiter in der Offenen-Tür-Arbeit, durch Berater und Therapeutinnen in Beratungsstellen, durch Pfarrerinnen und Pfarrer im kirchlichen Unterricht.
  3. Und schließlich geschehen sexuelle Belästigungen und sexueller Missbrauch auch in der Mitarbeitendenschaft selbst zwischen Kolleginnen und Kollegen.

In allen drei Fällen muss sich die Leitung der Institution mit dem geäußerten Verdacht auseinandersetzen. Hier sind Presbyterinnen und Presbyter aufgrund ihres oben beschriebenen Auftrages besonders gefordert.

In fast allen Kirchenkreisen der Evangelischen Kirche von Westfalen gibt es „Ansprechpersonen für den Umgang mit Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung“ für eine erste Kontaktaufnahme. Neben den Ansprechpersonen in den einzelnen Kirchenkreisen gibt es eine übergeordnete Fachstelle für den Umgang mit Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung (FUVSS). Die Fachstelle bietet u.a. fachliche Unterstützung für Leitungsverantwortliche an, die sich in ihrer Arbeit mit Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung auseinandersetzen – im konkreten Einzelfall sowie präventiv. Sie ist zugleich Anlaufstelle für Betroffene.

Die Kontaktdaten der Ansprechpersonen und der FUVSS können Sie über Ihre Superintendentur erfragen oder auf der Homepage der FUVSS einsehen.

Seit dem 1. Januar 2019 gibt es darüber hinaus die von der Kirchenleitung berufene hauptamtliche „Beauftragte der Evangelischen Kirche von Westfalen für den Umgang mit Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung“. Frau Kirchenrätin Daniela Fricke nimmt diese Aufgabe wahr.

Den Betroffenen von Verletzungen der sexuellen Selbstbestimmung in der Kirche erkennbar als Ansprechperson zur Verfügung zu stehen, zählt zu ihren vordringlichen Aufgaben. Zu hören, zu beraten, Hilfen zu vermitteln, die Aufklärung zu befördern und für die Anliegen der Betroffenen einzutreten – darum geht es vor allem.
Zudem trägt sie Sorge, dass die bereits vorhandenen Strukturen im Bereich der westfälischen Kirche zu einem wirksamen System von Prävention, Intervention, Hilfe und Aufarbeitung ausgebaut und auf eine gesetzliche Grundlage gestellt werden.
Für juristische Fragen im gesamten Themenspektrum kooperiert die Beauftragte intensiv mit Landeskirchenrätin Barbara Roth.
Darüber hinaus repräsentiert Kirchenrätin Fricke Thema und Aufgabe innerhalb der EKvW, auf Ebene der EKD und in der Öffentlichkeit und steht so zum Beispiel für Interviews, Podien, Diskussionsrunden etc. zur Verfügung.
Die Beauftragte unterstützt die Landeskirche beim konsequenten und angemessenen Umgang mit Verdachtsfällen. Dabei arbeitet sie eng mit der FUVSS zusammen.

 

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