B  Gemeindeleitung

 

4  Aufgaben des Presbyteriums

 

4.5  Bildung

 

Schule

Immer mehr wird der Lernort Schule für die Kinder und Jugendlichen auch zum Lebensort, an dem sie über den klassischen Vormittagsunterricht hinaus den größten Teil ihrer Zeit verbringen. Deshalb wird es immer wichtiger, dass die Gemeinde das Leben in der Schule wahrnimmt und nach ihren Möglichkeiten dort präsent ist. Eine gute Chance hierzu bietet die evangelische Kontaktstunde. Sie findet nach Absprache mit der Schulleitung im 3. oder 4. Grundschuljahr statt und wird von der Kirchengemeinde unter der Verantwortung des Presbyteriums durchgeführt. In der Regel gehen die Pfarrerin oder der Pfarrer einmal wöchentlich in die Schule, um ergänzend zum sonstigen Unterricht in der Schule – aber niemals in Konkurrenz zu oder als Ersatz für den Religionsunterricht – zu wirken. Meist werden spielerische Formen des Gebets und von gottesdienstlichen Elementen eingeübt. Die Kinder werden auf die Feste und Höhepunkte im Kirchenjahr vorbereitet. Sie besuchen die Kirche und entdecken den Kirchenraum und seine Einrichtung mit den Mitteln der neueren „Kirchenpädagogik“ in seiner Eigenart als besonderen geistlichen Raum. Zugleich lernen sie die Kirche als einen für sie selbst offenstehenden und in gewissen Grenzen auch als einen von ihnen mit zu gestaltenden Raum kennen. In einigen Gemeinden wird die Kontaktstunde auch von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kinder- und Jugendarbeit angeboten. In der Schule werden so viele Kinder erreicht und mit der Gemeinde in Kontakt gebracht, die von sich aus keinen Zugang zur Kirche finden. Nähere Informationen erhalten Sie im Internet unter www.evangelisch-in-westfalen.de.

Auf andere Weise tritt die Kirche im Raum der Schule auf, wenn sie sich mit eigenen Angeboten an offenen Ganztagsschulen beteiligt. Hier geht es darum, das Leben in denjenigen Schulen mitzugestalten, die über den klassischen Unterricht hinaus Schülerinnen und Schüler sinnvoll und zielgerichtet beschäftigen wollen. Nach den Vorgaben der Landesregierung wurde der Ganztag zunächst vor allem an Schulen im Primarbereich ausgebaut (offene Ganztagsgrundschulen). Zurzeit werden auch immer mehr weiterführende Schulen auf Ganztagsbetrieb umgestellt. Dies bedeutet für die Kirchengemeinde einerseits, dass die Zeiträume für eigene Gruppen- und Freizeitangebote immer enger werden. Kinder und Jugendliche, die einen großen Teil des Tages in der Schule verbracht haben, werden immer schwerer zu bewegen sein, während der ihnen noch verbleibenden Freizeit in das Gemeindehaus zu gehen. Andererseits haben Gemeinden und Kirchenkreise die Chance, mit ihren Angeboten in der Schule viel mehr Kinder und Jugendliche zu erreichen. Zudem kann so auch ein Teil des Gehaltes der Hauptberuflichen refinanziert werden. Entscheidend für die Kirchengemeinde dürfte sein, ob die Kinder- und Jugendarbeit bei der Beteiligung an offenen Ganztagsschulen ihre evangelische Identität behält.

Wichtig für die Schule ist in erster Linie die Verlässlichkeit der außerschulischen Partner, zu denen neben den Kirchen auch Sportvereine, Musikschulen, die freien Wohlfahrtsverbände oder andere zählen können. Auskunft über die hier bestehenden, vor Ort jeweils unterschiedlichen Möglichkeiten erteilen die Schulreferate und Jugendpfarrämter in den Kirchenkreisen. Informationen, Entscheidungshilfen und Anregungen für die Kirchengemeinde sind auch in der Handreichung „Vielfalt als Stärke. Kooperation von Jugendhilfe und Schule in Evangelischer Kirche und Diakonie“ nachzulesen, die 2010 von den Evangelischen Landeskirche in Nordrhein-Westfalen herausgegeben wurde (zu finden im Downloadbereich der EKvW unter dem Stichwort „Vielfalt als Stärke“).

Eine gute weitere Möglichkeit, die Beziehungen zwischen Kirchengemeinde und Schule zu stärken, ergibt sich durch Pfarrerinnen und Pfarrer, die evangelischen Religionsunterricht erteilen. Schülerinnen und Schüler lernen „ihre Pfarrerin“ oder „ihren Pfarrer“ über die Konfirmandenzeit hinaus besser kennen – und die Pfarrerinnen und Pfarrer kennen sich sehr viel besser in der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen aus, wenn sie regelmäßig in Schulen unterrichten. In der Regel kommt es auch der Sonntagspredigt in den Gemeinden zugute, wenn die Pfarrerin¬nen und Pfarrer sich während der Woche auf die Nöte und Sorgen, die Hoffnungen und Wünsche, die Sprache und die Vorstellungswelt der nachwachsenden Generation eingelassen haben. Umgekehrt müssen die Presbyterien und Gemeinden auch Verständnis dafür aufbringen, dass der Schulunterricht den Pfarrerinnen und Pfarrern Arbeit macht. Er erfordert gründliche Vorbereitung und verlässliche Präsenz zu festgesetzten Zeiten in der Schule. Deshalb müssen Vertretungsregelungen zum Beispiel für Beerdigungen während der Unterrichtszeit verbindlich geregelt werden.

Darüber hinaus trägt diese vom Staat refinanzierte Tätigkeit oft auch zum Erhalt von Gemeindepfarrstellen bei.

Ein sich an immer mehr Schulen etablierendes kirchliches Handlungsfeld ist die Schulseelsorge. Speziell ausgebildete Religionslehrerinnen und -lehrer sowie Schulpfarrerinnen und -pfarrer bieten Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern sowie Eltern Seelsorge und Beratung an und sind geschätzte Ansprechpartnerinnen und -partner sowie Begleiterinnen und Begleiter in den vielen kleinen und großen Krisen des Lebens: Trennung der Eltern, Leistungsdruck, Tod eines Lehrers, Mobbing, Zukunftsangst usw. Zudem sind Schulseelsorgerinnen und -seelsorger neben Beratungslehrerinnen und -lehrern, Sicherheitsbeauftragten und Schulleitung ganz selbstverständlich Bestandteil des vom Schulministerium vorgeschriebenen Teams für Gewaltprävention und Krisenintervention.

Wichtig ist der Schulseelsorge allerdings, dass sie nicht nur „Krisenhilfe“ ist. Die Sorge um die Seele der Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer und aller an Schule Beteiligten hat vielmehr einen positiven Ansatz: Du bist ein Kind Gottes, von Gott gesehen und angesehen. Dieser stärkende und Mut machende Ausgangspunkt schlägt sich auch nieder in Schulgottesdiensten und Andachten, Besinnungstagen und Pausenangeboten. All diese Bereiche übernehmen viele Religionslehrerinnen und -lehrer sowie und Pfarrerinnen und Pfarrer im schulischen Dienst neben dem Unterricht. Für diese wichtige Aufgabe brauchen sie Begleitung, Unterstützung und Fortbildung.

Weiterführende Informationen finden sich in der Denkschrift des Rates der EKD „Religiöse Orientierung gewinnen. Evangelischer Religionsunterricht als Beitrag zu einer pluralitätsfähigen Schule“ aus dem Jahr 2014.

Geeigneter Platz für KokoRU?

 

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