F  Religiöser Pluralismus

 

5  Lebenshilfe und Selbstoptimierung

Auch ursprünglich nicht religiöse Bewegungen können sektenhafte Züge tragen. Sie versprechen Lebenshilfe für das komplizierte und unübersichtliche Leben in unserer pluralistischen und vernetzten Gesellschaft. Neben guter professioneller Psychologie und Psychotherapie, Seelsorge oder Beratung finden sich auch Angebote, die keinen fachlichen Hintergrund haben und sich para- oder pseudowissenschaftliche Methoden bedienen. Sie stehen oft in Verbindung mit einem problematischen Welt- und Menschenbild und spirituellen Kontexten, die weder mit dem Christentum noch mit professioneller Hilfe vereinbar sind. Neben anerkannter und bewährter Psychotherapie existiert eine Psychoszene mit manipulativen Techniken, die die Rolle einer Ersatzreligion spielt.

Sie tritt mit großen Versprechungen an, die sie aber nur sehr bedingt einlösen kann.

Oft überschreitet sie Grenzen und folgt einem die menschlichen Fähigkeiten überschätzenden Menschenbild. Durch die Herausbildung von Meistern und Gurus wie in konfliktträchtigen religiösen Gruppen werden Menschen zudem abhängig gemacht.

Am bekanntesten dürfte die Scientology-Organisation sein, die durch ein komplexes und teures Schulungssystem den Geist zu befreien verspricht. In Deutschland wird sie seit 2007 wegen menschenverachtender Tendenzen und totalitärer Strukturen vom Verfassungsschutz überwacht. Oft bietet sie über Tarnorganisationen Projekte im Erziehungsbereich wie Drogenpräventionsangebote an Schulen oder in der Wirtschaft in Form von Mitarbeitendenförderung oder Coachings an.

Auch Coaching-Angebote können problematisch werden, wenn reine Selbstoptimierung um jeden Preis im Vordergrund steht, unrealistische Versprechungen gemacht oder Menschen psychisch oder finanziell ausgenutzt werden. Coach ist kein rechtlich geschützter Begriff und nicht alle arbeiten mit transparenten Methoden und Qualifikationen.

Manche Anbieter berufen sich auf esoterische Vorstellungen, bieten Channeling an (zum Beispiel Access Consciousness) oder Methoden, die auf Reinkarnationsvorstellungen beruhen (Familienstellen nach Hellinger).

Im Positiven Denken sollen sich durch bestimmte Denkmethoden und Vorstellungen Glück, Erfolg, Wohlbefinden und Heilung wie von selbst einstellen, da ein„Gesetz der Anziehung“positive Gedanken und Vorstellungen in Tatsachen verwandle.

Aus christlicher Sicht bleibt festzuhalten: Der Mensch ist nicht perfekt und wird es nie sein. Gott nimmt den Menschen genau deswegen mit all seinen Fehlern und Zweifeln an und der Wert des Menschen misst sich nicht nach Erfolg oder Misserfolg. Diese befreiende Botschaft des Christentums könnte gegenüber diesen problematischen Angeboten ein gutes Korrektiv bieten. Bei menschlich-existenziellen Themen sind weniger psychologische Techniken als seelsorgerliches Vorgehen geboten, bei dem der Trost und die Hoffnung des Evangeliums zu wirkungsvollen Erfahrungen nachhaltiger Lebenshilfe werden können.

 

Weitere Information finden Sie im Arbeitsbereich Sekten- und Weltanschauungsfragen:

Pfarrer Andreas Hahn
Sekten- und Weltanschauungsfragen
Institut für Gemeindeentwicklung und missionarische Dienste
Olpe 35
44135 Dortmund
Telefon: 0231 5409-52
E-Mail: andreas.hahn@amd-westfalen.de
Internet: www.amd-westfalen.de/vertiefen-erleben/sekten-und-weltanschauungsfragen/

 

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